GRISHA-KLASSE - Fernmeldeaufklärung der Bundesmarine, Marinefernmeldesektor 73

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GRISHA I-V-KLASSE



Projekt 1124, Deckname Albatros, von der NATO als GRISHA-KLASSE bezeichnet, war eine Klasse von U-Jagd-Korvetten, die in der Sowjetunion für die sowjetische Marine entwickelt wurde. Die NATO-Klassifikation lautet "Large ASW Corvette", nach russischer Klassifikation handelt es sich um ein kleines U-Bootabwehrschiff. Die GRISHA-KLASSE Klasse wurde im Laufe der Bauzeit mehrfach modifiziert, nach NATO-Bezeichnung gibt es fünf Klassen, GRISHA I bis V. Projekt 1124 GRISHA-KLASSE wurde zur Küstenverteidigung im Nahbereich ab 1963 in Selenodolsk entwickelt. Die Schiffe sollten gegnerische U-Boote bekämpfen und im Bedarfsfall Minenfelder mit Seeminen legen können. Man plante die Schiffe mit einem Stahlrumpf, auf den leichte Aufbauten aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung gesetzt wurden. Die Bordwand wurde vom Bug bis zur Brücke recht hoch ausgeführt, so dass mehr nutzbarer Raum im Vorschiff geschaffen wurde. So konnte hier ein Trommelmagazin für 20 Flugabwehrraketen eingebaut werden. Die Schiffsklasse wurde ansonsten auf die verfügbaren Sonarsysteme und deren Fähigkeiten hin optimiert. Da ein Tauchsonar benutzt werden sollte, mussten die Schiffe die Suche nach U-Booten unterhalb von tiefer gelegenen Thermoklinen gestoppt durchführen, um dann aus dem Stand möglichst zügig wieder Fahrt aufzunehmen, um zur vermuteten Position eines georteten Kontaktes zu "sprinten", dort erneut gestoppt zu suchen, oder einen Angriff einzuleiten. Der Antrieb besteht aus einer CODAG-Anlage mit zwei Dieselmotoren M-507A mit je 7.355 kW und einer Gasturbine M8M mit 13.239 kW. Die Dieselmotoren wirken auf die beiden äußeren Wellen, die Turbine auf die zentrale Welle. Um im beim Einsatz des Tauchsonars die Position halten zu können, ist ein "Poworot-159"-Strahlruder an der Rumpfunterseite am Heck eingebaut. Als Hauptbewaffnung zur Bekämpfung von U-Booten wurden zwei Zwillingssätze aus Torpedorohren im Kaliber 53,3 cm mittschiffs auf das Wetterdeck gesetzt. Sie wurden auf beiden Seiten des Schornsteins installiert. In Zurrstellung sind sie parallel zur Längsachse der Schiffe ausgerichtet, können aber zum Einsatz nach außen geschwenkt werden, um dann die Torpedos in Fahrtrichtung des Schiffes abzusetzen. Sie können nicht mit Bordmitteln nachgeladen werden und wurden ursprünglich für den Einsatz von 53-65K- und SET-65-Torpedos vorgesehen. Der 53-65K zur Bekämpfung von Schiffen an der Wasseroberfläche und der SET-65 mit passiver und aktiver Sonarsuche zur Bekämpfung von U-Booten. Um U-Boote in kurzer Entfernung bekämpfen zu können, wurde Projekt 1124 GRISHA-KLASSE mit zwei RBU-6000-Werfern ausgerüstet, die vor die Brücke auf einen Aufbau auf dem Vorschiff gesetzt wurden. Jeder dieser Werfer kann Salven aus bis zu zwölf raketengetriebenen Wasserbomben etwa 5.000 Meter weit schießen. Die Sprengkörper tauchen anschließend ins Wasser ein und beginnen abzusinken. Sie explodieren dann bei Kontakt mit einem Objekt. Die Werfer können mit Bordmitteln auf Projekt 1124 GRISHA-KLASSE nachgeladen werden, dafür sind bis zu 96 RGB-60-Sprengkörper an Bord. Die Artilleriebewaffnung von Projekt 1124 GRISHA-KLASSE besteht aus einem 57-mm-L/75-Geschützturm AK-725 auf dem Achterschiff. Die Waffe wurde als Mehrzweckgeschütz entwickelt und kann neben Schiffs- und Landzielen in begrenztem Umfang auch Luftziele beschießen. Die Reichweite beim Bekämpfen von Schiffzielen liegt bei maximal rund 8.000, beim Beschuss von Luftzielen bei 7.000 Metern. Zur Flugabwehr in kurzen und mittleren Entfernungen ist Projekt 1124 GRISHA-KLASSE mit einer Startvorrichtung für OSA-M-Flugabwehrraketen ausgerüstet. Die Startvorrichtung, die zwei Raketen an ihren Auslegern in Bereitschaft halten kann, steht auf der Back. Sind die Raketen abgefeuert, senkt sich die Startvorrichtung ab, um im Rumpf mit zwei neuen Raketen aus einem Trommelmagazin bestückt zu werden. Bis zu 20 Raketen können dort gelagert werden. Zur Suche nach Luft- und Oberflächenkontakten wurde auf dem Hauptmast von Projekt 1124 GRISHA-KLASSE ein MR-302-"Rubka"-Radar (russisch МР-302) eingebaut. Das von der NATO als "Strut Curve" bezeichnete System arbeitet im oberen S-Band. Das Feuer des AK-725-Turms kann entweder durch die Optik des Schützen oder durch das Feuerleitradar MR-103 "Bars" "Muff Cop" gelenkt werden. Der Radarsensor ist auf dem Achterschiff oberhalb des Geschützturms auf einem Aufbau installiert. Der Sensor kombiniert eine Radarantenne mit einer Kamera. Die Flugabwehrraketen werden durch ein 4R33-Radar "Pop Group" gesteuert. Der Sensor steht vor dem Hauptmast auf dem Dach des Brückenaufbaus. Als Sonar war ein MG-322 oder MG-322T "Argun" unter dem Schiffsrumpf montiert. Die NATO bezeichnete das System als "Rat Tail". Zusätzlich wurde ein Tauchsonar vom Typ MG-339  am Unterwasserschiff installiert. Der Sensor des Systems kann an einem Stahlseil abgesenkt werden, um nach Unterwasserkontakten zu suchen. Dazu ist eine große Trommel mit Seil im Aufbau hinter dem Hauptmast untergebracht.

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