PROJEKT 641B - Fernmeldeaufklärung der Bundesmarine, Marinefernmeldesektor 73

Direkt zum Seiteninhalt
TANGO-KLASSE



Das Projekt 641B, von der NATO als TANGO-KLASSE bezeichnet, war eine für die sowjetische Marine gebaute Klasse dieselelektrischer U-Boote aus der Zeit des Kalten Krieges. Das Projekt 641B war eine direkte Weiterentwicklung des erfolgreichen Projekts 641 FOXTROT-KLASSE, das es ab 1971 in der Produktion für den Bedarf der sowjetische Marine ablöste, während die Vorgängerklasse weiter für den Export produziert wurde. Das Entwicklungsbüro „Rubin“ entwarf die neue U-Bootsklasse. Obwohl sie sich auf den ersten Blick nur wenig vom Vorgängerprojekt 641 FOXTROT-KLASSE unterscheidet, wurden umfassende Veränderungen vorgenommen. Projekt 641B erhielt ein überarbeitetes Sensoren- und Kommunikationssystem sowie eine für die Unterwasserfahrt optimierte Rumpfform, die erstmals so effektiv war, dass Projekt 641B getaucht schneller war als an der Oberfläche. Hinzu kam ein neues Konzept bei Anordnung und Typ der Bewaffnung. Der U-Bootstyp gilt dementsprechend als dritte Generation im russischen Diesel-U-Bootbau. Im Vergleich zu den U-Booten des Projekts 641 FOXTROT-KLASSE verfügte diese Klasse über einen stromlinienförmigeren Rumpf, der zusätzlich mit Gummiplatten beschichtet war, so dass die Suchimpulse gegnerischer Sonarsysteme absorbiert und nicht reflektiert wurden. Platzeinsparungen innerhalb des Druckkörpers, erreicht durch den Wegfall von Teilen der Bewaffnung, erlaubten es, jedem Seemann eine eigene Koje zur Verfügung zu stellen. Dadurch mussten sich nicht mehr mehrere Seeleute eine Koje teilen. Projekt 641B wurden mit drei Schiffsdieselmotoren vom Typ 2D42 ausgerüstet, die je 1.900 PS (1.397 kW) leisteten. Diese Motoren lieferten Antriebsenergie, indem sie Treiböl und Sauerstoff aus der Umgebungsluft verbrannten. Dieses System funktionierte nur, wenn genug Außenluft zugeführt werden konnte, also an der Oberfläche oder bei Schnorchelfahrt in geringer Wassertiefe. Der Schnorchel war achtern im Turm installiert. An der Oberfläche konnten so 13 kn erreicht werden. Bei Tauchfahrt trieben zwei PG-101-Elektromotoren mit je 1.350 PS (993 kW) die beiden äußeren Wellen an, die mittlere wurde von einem PG-102-Elektromotor mit 2.700 PS (1.985 kW) angetrieben. Als Energiespeicher dienten Bleiakkumulatoren. So wurden bis zu 15 Knoten erreicht. Alternativ wurde die mittlere Welle durch einen auch als Schleichfahrtmotor beschriebenen PG-104-Elektromotor mit 140 PS (103 kW) angetrieben, der sehr viel weniger Strom verbrauchte und deutlich leiser lief als der PG-102. Der mitgeführte Treibstoff reichte für 14.000 Seemeilen bei einer Geschwindigkeit von 7 Knoten aus. Getaucht konnten 450 Seemeilen bei 2,5 Knoten mit den Elektromotoren zurückgelegt werden, wenn die Batterien voll aufgeladen waren. Das Sonarsystem des Projekts 641B trug den Decknamen „Rubikon“ und war eine Neuentwicklung aus den späten 1960er-Jahren. Die großen Abmessungen und das hohe Gewicht des neuen Sonars durfte kaum Einfluss auf die Balance der U-Boote haben, so dass ein Teil der Bauelemente in einem eigenen Druckkörper untergebracht wurde, um das Gewicht der Sonaranlage durch zusätzlich gewonnenen Auftrieb auszugleichen. Das Sonar wurde in der unteren Hälfte des Bugs untergebracht, hatte eine zylindrische Grundform und setzte erstmals auf Thyristoren, deren Informationen über nachgeschaltete Vorverstärker an die Sonarstation im Druckkörper des U-Bootes übermittelt wurden. Die Informationen wurden dort angezeigt und sowohl elektromechanisch als auch auf Papier aufgezeichnet, so dass eine Bibliothek mit Geräuschprofilen angelegt werden konnte. Jedes U-Boot war mit sechs Bugtorpedorohren im Standardkaliber 533 mm ausgerüstet. Es konnten 24 Torpedos verschiedener Typen oder 44 Seeminen als Munitionsreserve mitgeführt werden. Die Hecktorpedorohre der Vorgängerklasse wurden gestrichen, so dass im Innenraum deutlich mehr Platz zur Verfügung stand. Der Wegfall der Hecktorpedorohre hatte kaum taktische Nachteile, da moderne Torpedotypen nach dem Abfeuern aus den Bugrohren auch Ziele im hinteren Quadranten bekämpfen konnten, so dass das Bereithalten von Hecktorpedos nicht mehr notwendig war. Während das Vorgängerprojekt 641 FOXTROT-KLASSE  nur für Torpedos gegen Überwasserziele konstruiert war, konnten die U-Boote des Projektes 641B erstmals Anti-U-Boot-Torpedos einsetzen. Herkömmliche Modelle wie der 53-65M und der 53-65K wurden durch den TEST-71M-Torpedo ergänzt. Der TEST-71M-Torpedo verfügte im Gegensatz zu seinen Vorgängern über ein System zur Fernlenkung durch einen Steuerdraht. Ergänzt wurde die Drahtlenkung durch einen Aktivsonarsensor in der Torpedonase, so dass der Kommandant eines U-Bootes entscheiden konnte, ob die Waffe über Drahtlenkung, ohne verräterische Aktivsonaremissionen, oder selbstlenkend mit aktivem Sonar abgesetzt wurde. Die Waffe war knapp acht Meter lang, erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten und trug einen 205 Kilogramm schweren Sprengkopf mit Annäherungszünder. Ziele konnten in Tiefen zwischen 2 und 400 Metern verfolgt und angegriffen werden. Von 1971 bis 1982 wurden insgesamt 18 Einheiten dieser Klasse gebaut und in den Dienst der sowjetischen Marine gestellt. Zu ihren Hauptaufgaben zählten der Einsatz gegen Überwasserschiffe sowie U-Boot-Abwehrmissionen. Die U-Boote des Projekts 641B verblieben bis Ende der 1990er-Jahre im aktiven Dienst der russischen Marine. Bis heute wurden alle verschrottet, befinden sich in Reserveflotten oder wurden zu Museen umgebaut.

"B-30"
AUSSER DIENST GESTELLT AM: 05.05.2001.

"B-225"
AUSSER DIENST GESTELLT AM: 19.03.1998.

"B-312"

"B-380"
Zurück zum Seiteninhalt