WARUM SANK DIE K-141 "KURSK" - UNFALLBERICHT - Fernmeldeaufklärung der Bundesmarine, Marinefernmeldesektor 73

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WARUM SANK DIE K-141 "KURSK" - UNFALLBERICHT

Die Tragödie der K 141 "KURSK" begann am 12. 08. 2000 während der Manöver der über 30 Schiffen der Nordmeer Flotte in der Barentssee. Mit dabei der atombetriebene schwere Raketenkreuzer KIROV MOD-KLASSE "PYOTR VELIKY" und der Flugzeugträger der KUZNETSOV-KLASSE "ADMIRAL KUZNETSOV". Das Atom U-Boot K-141 "KURSK" der OSCAR II-KLASSE lagt bereits zwei Tage auf dem Meeresgrund des Nordpolarmeeres, als die Welt zum ersten Mal von seiner Havarie erfuhr. Zunächst meldete die russische Flotte, die "KURSK", die doppelt so lang ist wie eine Boeing 747, habe einen technischen Defekt oder einen harmlosen Unfall erlitten, aufgrund dessen seine Besatzung sicher und wohlbehalten in 108 Meter Tiefe festsitze. Nach und nach drang eine unheilvolle Version der Ereignisse an die Öffentlichkeit. Das 5 Jahre alte Zweihüllen U-Boot, das zu den modernsten der russischen Flotte zählte lag zu diesen Zeitpukt mit toten Besatzung auf den Grund. Neben den üblichen Stab aus Navigationsoffizieren, Technikern und Waffensystememoffizieren der "KURSK" sind fünf hohe Offiziere aus dem Flottenhauptquartier anwesend, die vor zwei Tagen vom Sapadnaja-Litza-Fjord aus mit dem U-Boot in See gestochen sind. Es sind prominente Gäste. Sogar Kapitän Wladimir T. Bagrianzew (Stabchef der 7. U-Boott-Division ) Bord ist unter ihnen. Um 11:00 Uhr wird die grosse Stunde der "KURSK" kommen. Sie wird einen neuen, streng geheim gehaltenen Torpedotyp "VA-111 SHKVAL" mit Raketenantrieb auf ein weit entferntes Ziel abfeuern. 1998 war das U-Boot mitsamt seiner Besatzung acht Monate in der Werft von Sewerodwinsk, wo seine 65-Zentimeter-Torpedorohre mit einem völlig neuartigen Ausstosssystem ausgestattet wurden. Dieses System soll eine Unterwasserrakete VA-111 "SHKVAL" die mit einer Geschwindigkeit von 300 km/h fliegt abschiessen. Von grosser Bedeutung ist dabei das Ausstosssystem, da die VA-111 "SHKVAL" das Torpedorohr mit min. 80 km/h verlassen muss. Um solche Geschwindigkeit zu erreichen, benötigt die VA-111 "SHKVAL" extrem instabilen Rakettentreibstoff "Wasserstoffperoxyd". Die Aufgaben der "KURSK" ist die Zerstörung amerikanischer Flugzeugträger. Dafür befinden sich an Bord der "KURSK" 10 Meter lange P-700 Granit-Lenkwaffen, von denen jede mit einem 700-Kilo-Sprengkopf ausgerüstet ist; die "ZAKRA"-Fflugkörper, die aus dem Wasser schiessen und bis zu 40 Kilometer fliegen, bevor sie ein Torpedo ausspucken, das wieder ins Wasser eintaucht und sein Ziel unter Wasser trifft; die riesigen Torpedos vom Kaliber 65 Zentimeter, die eine halbe Tonne hochexplosiver Sprengstoffe mit Geschwindigkeit von über 80 Stundenkilometer in ihr Ziel befördern. Um 11:26 UHR fragt der Funker der "KURSK" Ljatschin den Admiral Wjatscheslaw Popow, den Kommandanten der Nordmeer Flotte, der sich an Bord des Flaggschiffs "PYOTR VELIKY" befindet "Bitte um Feuererlaubnis". Wenige Augenblicke später kommt die Antwort zurück "Dobro, gut. Feuererlaubnis erteilt." Kurz darauf kommt über die Sprechanlage der Befehl des Kommandanten: "Feuer"!

Minus 1 Minute vor Abschuss des Torpedos:
Auf Periskoptiefe wartet die "KURSK" auf den Befehl, einen neu entwickelten Torpedo abzuschiessen. Die Schotten im Vorschiff werden entgegen der Vorschriften offen gelassen (in der russischen Flotte ist das aber gang und gäbe), damit sich der Explosionsknall durch den ganzen Rumpf verteilen kann. Der Lärm wird ohrenbetäubend sein.

11:28:27 UHR, Abschnitt 1 - Torpedostation:
Die Feuererlaubnis ist erteilt, der Zündmechanismus ausgelöst. Als die Abschussvorgang eingeleitet wird, strömt durch ein geöffnetes Ventil in einem der Torpedorohre Wasser ein. Im Abschusmechanismus des Torpedos entsteht in diesem Moment durch einem Kurzschluss eine winzige Flamme, die sofort gröser wird und eine verhängnisvolle Kettenreaktion der energiereichen Moleküle auslöst. Einen Sekundenbruchteil lang geht der Abschussvorgang so weiter, wie es vorgesehen war. Doch dann geht etwas schief. Wegen eines Baufehlers in der Rakete oder wegen einer Torpedorohrluke, die sich nicht ordnungsgemäss  öffnet, explodiert der Treibstoff plötzlich und sprengt sie. Der glühend heisse Treibstoff tötet auf der Stelle alle sieben Männer in der Torpedostation.

11:28:41 UHR, Abschnitt 2 - Kommandozentrale:
Durch ein offenes Schott dringen aus dem Vorschiff brennender Treibstoff und Wasser in die Zentrale. Aus dem zerfetzten Torpedo dringt Raketentreibstoff nach aussen und verbrennt mit mehreren tausend Grad. Er verbindet sich mit dem Meerwasser, das in Feuerwehrschlauchstärke eindringt und zu einer Art gigantischen Lötlampe wird. Das Torpedorohr selbst wird zu einer Raketendüse und beschiesst die ungeschützte Besatzung mit geschmolzener Flüssigkeit, die mit unvorstellbarer Hitze und ungeheuren Druck, der sogar Stahl zum Schmelzen bringt und die Metallplatten verbiegt. In weniger Sekunden verkohlen alle 7 Besatzungsmitglieder im Torpedoabschnitt. Kommandant Ljatschin gibt jetzt seine letzte Order: "Alle Ballasttanks lichten!, Maschinen volle Kraft voraus!, Bereit machen für Notaufstieg!" An Bord der "KURSK" brennt Raketentreibstoff im Abschnitt 1. Dichter, beissender schwarzer Rauch dringt in Abschnitt 2 ein. Besatzungsmitglieder, die das Feuer in der nähe der Luke bekämpfen, sind in Sekundenbruchteilen verkohlt. Der ganze Abschnitt 2 brennt.

11:29:17 UHR, Abschnitt 5 - Hauptantrieb:
Die gigantischen 49000 PS-Turbinen laufen mit voller Kraft, das U-Boot beginnt aufzusteigen. Aber aus der Kommandozentrale, wo sich auch die Feuerbekämpfungssysteme und die Rettungskapsel befinden, kommen keine Befehle mehr.

11:30:41 UHR, Abschnitt 1 - Torpedostation:
In dem verbogenen Wrack, das von Abschnitt 1 übrig geblieben ist, wird die Situation immer aussichtsloser. Inzwischen hat das Feuer über 2 Minuten unkontrolliert gewütet. Jetzt löst die ungeheure Hitze im hochexplosiven Sprengkopf eines Torpedos eine chemische Kettenreaktion aus. Der Sprengkopf geht mit der Sprengkraft von mindestens einer Tonne TNT hoch. Das ganze Vorschiff wird weggesprengt. Der starke Stahl des inneren Rumpfs komprimiert die Explosion und leitet sie wie ein Kanonenrohr weiter nach achtern. Eine ungeheure Druck- und Wasserwelle schiesst durch die vordere Hälfte des U-Bootes. Sie walzt sich durch die Kommandozentrale in Abschnitt 2, die Gefechtsstationen, den Funkraum im Abschnitt 3 und die Manschaftsunterkünfte im Abschnitt 4. Sie tötet sofort alle 79 Besatzungsmitglieder in den ersten vier Abschnitten. Die dicke Stahlwand, die den Hauptreaktor im Abschnitt 5 schützt, hält den grossen Teil der Druckwelle auf.

11:31:20 UHR,
Die nach vorn geneigte "KURSK" mit den auf vollen Touren laufenden Schrauben steuert mit immer grösserer Geschwindigkeit auf den Grund zu. Mit 30 Knoten bohrt sich die "KURSK" in den Meeresgrund. Beim Aufprall werden alle Besatzungsmitglieder in den Abschnitte 6 bis 9 getötet. Als darauf die Ansaugventile für die Wasserkühlung durch den Schlick verstopft werden, schalten sich automatisch die Reaktoren ab, die Notstrom-Batterien versagen  weil sie schon lange kaputt sind). Im Schiff wird es Dunkel.

12:37:12 UHR,
Da die "KURSK" wegen der Übungen bis 18 Uhr unter Wasser bleiben sollte, wird man erst in ein paar Stunden nach ihr zu suchen beginnen. Es gibt eine Rettungsboje, aber da sie sich ein paar Male frühzeitig löste, wurde sie festgeschweisst. Die Überlebenden 23 Mann der Besatzung kriechen nach Achtern in den Abschnitt 9 des U-Bootes, der sich mit Wasser und toxischer Luft fällt. Nur diejenigen haben eine Chance, die Notanzüge tragen. Doch die Luft in der Anzügen reicht für nur 4 Stunden.

Vier Stunden nach der ersten Explosion sind alle
118 Besatzungsmitglieder der K-141 "KURSK" tot.


9 Tage später, hintere Austiegsluke:

Norwegischen Tauchern gelingt es die äussere Luke von Abschnitt 9 zu Öffnen und ins Innere der havarierten "KURSK" zu sehen. Das U-Boot ist vollständig mit Wasser und toxischen Gasen gefüllt. Es gibt keine Überlebenden!


            

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Last Update: 03.11.2017
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