"K-3" - Fernmeldeaufklärung der Bundesmarine, Marinefernmeldesektor 73

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K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL"

Die K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL" war das erste Atom-U-Boot der Sowjetunion. Vom Typ war es ein Projekt 627 NOVEMBER-KLASSE und das erste Waffensystem in der Reihe der im Westen als NOVEMBER-KLASSE bekannten U-Boot-Generation. Das U-Boot trug aufgrund seiner historischen Sonderstellung im Unterschied zu den taktischen Nummern aller anderen sowjetischen Fabrikate als einziges einen Namen. Das U-Boot wurde im Sperrgebiet von Sewerodwinsk nahe Archangelsk am Weißen Meer gebaut. Am 19. Mai 1958 startete eine Reihe politisch hochrangiger Verantwortungsträger gemeinsam den Reaktor. Die Indienststellung der K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL" erfolgte als Teil der Nordflotte unter dem Kommandanten Leonid Ossipenko. Das U-Boot wurde danach im klimatisch extrem unwirtlichen hohen Norden im Fjord Sapadnaja Liza auf der Halbinsel Kola stationiert, als Stützpunkt diente Malaya Lopatka, etwa 45 Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt. Die K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL" besaß zwei Kernreaktoren, zwei Dampfturbinen und zwei Schrauben. Als Wärmeträger bzw. Kühlmittel der Reaktoren diente Wasser, da kompakte Abmessungen und Betriebssicherheit zentrale Anforderungen waren. Als Bewaffnung besaß es noch keine Raketen, sondern acht Torpedorohre mit einem Kampfsatz von 20 Torpedos. Der U-Bootskörper war sehr schlank und für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Bereits bei den ersten Testfahrten wurde eine von sowjetischen U-Booten bislang nicht erreichte Tauchtiefe von 310 Meter erreicht. Die schon bei der Werkserprobung erreichten Geschwindigkeiten waren höher als erwartet und verliehen dem U-Boot zusammen mit den langen Tauchzeiten und der praktisch unbegrenzten Reichweite taktische Eigenschaften, die von konventionellen U-Booten nicht erreicht werden konnten. Ein Hauptproblem war die beträchtliche freigesetzte Radioaktivität. Nach einigen hundert Betriebsstunden bildeten sich mikroskopisch kleine Risse im Primärkreislauf und belasteten den Sekundärkreislauf und letztendlich die gesamte Mannschaft. Die resultierende Strahlenkrankheit der Besatzung wurde weitgehend ignoriert und unterschätzt. Das U-Boot verfügte im Vergleich zu späteren U-Boot-Generationen über praktisch keine Geräuschdämmung und war dadurch insbesondere bei hoher Geschwindigkeit sehr leicht zu orten. Generell galt die K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL" als technisch unausgereift und vor dem Hintergrund des Rüstungswettlaufes mit den USA als zu früh in Dienst gestelltes Waffensystem. Das U-Boot war entsprechend im Betrieb pannenanfällig und gefährlich. Notfallpläne im Falle des Reaktorversagens oder anderen schwerwiegenden Zwischenfällen besaßen untergeordnete Bedeutung. Am 17. Juni 1962 erreichte die K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL" den Nordpol unter Wasser, eine technische Meisterleistung, die fast 4 Jahre vorher schon dem ersten US-amerikanischen, nuklearen U-Boot USS Nautilus (SSN-571) gelungen ist. Militärisch demonstrierte die Sowjetunion mit dieser Tauchfahrt das Potenzial, die USA durch den Eisschild der Arktis weitgehend unsichtbar angreifen zu können. Die Besatzung wurde persönlich von Parteichef Nikita Chrustschow empfangen, der gerade das Schiffsbauwerk in Molotowsk inspizierte. In Auszeichnung dieser Pionierleistung erhielt das U-Boot am 9. Oktober 1962 den Namen "LENINSKIY KOMSOMOL". Die gefeierte Mannschaft nahm danach an zahlreichen Kongressen und Konferenzen teil. Den führenden Personen wurden höchste Auszeichnungen verliehen. Unter den Schöpfern von K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL" erhielten 19 den Leninpreis. Die sowjetische Marine war stark auf ihre wenigen weit im Norden liegenden, im Winter weitgehend eisfreien Häfen angewiesen. Dadurch erhielten die K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL" und die auf diese Technik aufbauenden U-Boote eine strategisch erstrangige Bedeutung in der nationalen Sicherheitspolitik. Zugleich war die "LENINSKIY KOMSOMOL" ein Ausgangspunkt des sich entwickelnden Gleichgewichts des Schreckens und des Wettrüstens, das sich in den 1970er und 1980er Jahren maßgeblich über Atom-U-Boote vollzog. Im Juni 1962 beschädigte ein Feuer den Kernreaktor des U-Bootes – es musste abgeschleppt werden. Die schwierige Reparatur dauerte mehrere Jahre. Im Sommer 1967, nach einer langen Zeit vielfältiger Reparaturen, bekam die K-3 "LENINSKIY KOMSOMOL" einen neuen Kommandanten und die neue Mission, im Mittelmeer zu kreuzen. Das Kühlsystem versagte dabei weitgehend und setzte die Mannschaft extremer Hitzebelastung aus. Dabei wurde auch die Aufgabe gestellt, ein amerikanisches U-Boot mit Interkontinentalraketen zu verfolgen, was aber nicht gelang. Am 8. September 1967 kam es zu einem folgenschweren Unfall im Meer vor Norwegen bei dem 39 Männer durch Feuer den Tod fanden. Das Schiff war 2850 Kilometer vom Heimathafen entfernt, bereits 56 Tage unterwegs und kam von einer Tauchfahrt unter dem arktischen Eis zurück. Der Brand entstand durch entflammtes Hydrauliköl in den Abteilungen 1 und 2. Durch das Kohlendioxid der automatisch ausgelösten Feuerlöscher, sowie durch das Schließen der Schotten kamen zahlreiche Männer um. Das U-Boot selbst konnte letztendlich gerettet werden. Im ehemaligen Heimathafen steht heute ein Denkmal für die Opfer.

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